Jüdi­sches Bayreuth

Synagoge Bayreuth © Norbert Miguletz

Über 800 Jahre reicht die jüdische Geschichte in Bayreuth zurück. Im 13. Jahrhundert gegründet, zählt die jüdische Gemeinde heute wieder rund 500 Mitglieder.

1.700 Jahre jüdi­sches Leben in Deutsch­land 800 Jahre jüdi­sche Geschichte in Bayreuth

Ein Edikt des römi­schen Kaisers Konstantin aus dem Jahr 321 ist das älteste über­lie­ferte Zeugnis jüdi­schen Lebens in Deutsch­land. Die Geschichte der Bayreu­ther jüdi­schen Gemeinde reicht bis ins Mittel­alter zurück. Seit dem 13. Jahr­hun­dert finden sich Belege für die Exis­tenz, aber auch für die Verfol­gung der Juden in der Stadt. Erst unter dem Mark­gra­fen­paar Fried­rich und Wilhel­mine wurde die Wieder­grün­dung einer jüdi­schen Gemeinde durch den Hofban­kier und Münz­lie­fe­ranten Moses Seckel 1759 möglich. Das aktu­elle große Projekt rund um die kürz­lich reno­vierte Bayreu­ther Synagoge, die älteste arbei­tende Synagoge in Deutsch­land mit Mikwe und gegen­wärtig entste­hendem jüdi­schen Kultur- und Gemein­de­zen­trum, ist Bayreuths Beitrag zum Jubi­lä­ums­jahr 2021.

Synagoge

Die Barock­syn­agoge von 1760 ist die älteste noch betrie­bene Synagoge in Deutsch­land. Ursprüng­lich als Komö­di­en­haus für den mark­gräf­li­chen Hof 1715 geplant, wurde die Synagoge 2018 nach ihrer Sanie­rung wieder geöffnet.

Wand an Wand mit dem UNESCO-Welt­kul­tur­erbe Mark­gräf­li­ches Opern­haus entsteht derzeit um die Synagoge ein neuer Baukom­plex: Die moderne Mikwe, das ritu­elle Tauchbad, wurde 2013 fertig gestellt und wird „als reinste Mikwe Europas“ – so der Londoner Spezia­list Rabbi Meir Posen – von einem arte­si­schen Brunnen gespeist. Gegen­über in dem Gebäude der ehema­ligen Münze von 1778 entsteht ein neues Jüdi­sches Kultur- und Gemein­de­zen­trum mit Muse­ums­räumen, Archiv und Biblio­thek, koscherem Café und Räumen für die jüdi­sche Gemeinde. Die bei ersten Reno­vie­rungs­ar­beiten im Dach­stuhl der Synagoge 2010 gefun­dene Genisa, deren Fund­stücke bis ins 16. Jahr­hun­dert zurück­rei­chen, wird in dem gegen­wärtig entste­henden Jüdi­schen Kultur­zen­trum und Museum, dessen Fertig­stel­lung für 2020 geplant ist, zu sehen sein.

Der Jüdi­sche Friedhof in Bayreuth mit seinen fast 1.000 Gräbern wurde 1787 einge­weiht und wird ohne Unter­bre­chung bis heute von der Israe­li­ti­schen Kultus­ge­meinde genutzt und gewartet. Zum Friedhof gehört eine bemer­kens­werte Jugend­stil-Tahara. Öffent­lich zugäng­lich ist er bislang nur am 9. November anläss­lich der jähr­li­chen Gedenk­ver­an­stal­tung, die auch mit einer Führung verbunden ist. Dank einer drei­jäh­rigen Bestands­auf­nahme und Forschungs­ar­beiten des Salomon-Ludwig-Stein­heim-Insti­tuts der Univer­sität Essen sind inzwi­schen alle Gräber in Bild und Beschrei­bung in der epigra­phi­schen Daten­bank online zugänglich.

Infor­ma­tionen zur Geschichte der Juden in Bayreuth bieten der kosten­lose Stadt­plan Jüdi­sches Bayreuth sowie das gleich­na­mige Buch an.

Im Stadt­ar­chiv Bayreuth findet sich verschie­denes Infor­ma­ti­ons­ma­te­rial zur jüdi­schen Geschichte Bayreuths in digi­taler Form. Neben einer Biblio­gra­phie und einer Zusam­men­stel­lung der im Archiv vorhan­denen umfang­rei­chen Archi­va­li­en­be­stände kann auch eine Zeit­tafel zur jüdi­schen Geschichte in Bayreuth hier abge­rufen werden.

Führungen zum jüdi­schen Leben in Bayreuth.

Verstummte Stimmen im Fest­spiel­park  

In unmit­tel­barer Nähe zum Fest­spiel­haus erin­nert im Fest­spiel­park eine große Dauer­aus­stel­lung an zahl­reiche, meist jüdi­sche Künstler der Bayreu­ther Fest­spiele, die in der ersten Hälfte des 20. Jahr­hun­derts dem düstersten Kapitel der deut­schen Geschichte zum Opfer fielen. Die Biogra­fien von 29 in der Ära Cosima und Sieg­fried Wagner diffa­mierter Künstler sowie die Schick­sale der 53 im Dritten Reich verfolgten Mitwir­kenden – darunter die von 12 im Holo­caust Ermor­deten – sind in deut­scher und engli­scher Sprache ausführ­lich darge­stellt. 

Fest­spiel­haus
Fest­spiel­hügel 1–2
95445 Bayreuth
Tel: +49 9 21 7 87 80 


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