Der Dichter Jean Paul

Jean Paul

Der am 21. März 1763 in Wunsiedel geborene Jean Paul (eigentlich: Johann Paul Friedrich Richter) lebte und wirkte von 1804 bis zu seinem Tod am 14. November 1825 in Bayreuth. Er gehört zweifellos zu den bedeutendsten deutschen Dichtern.

Sein Sprachgenie und seine phantasiereiche Imaginationskraft, seine Gedankenflüge und Traumbilder, seine grandiosen Naturschilderungen und empfindsamen Gefühlsdarstellungen sind legendär. Der kühne Visionär und hintergründig-humorige Idylliker, der hinreißende Poet und lebenskluge Aphoristiker, der geniale Sprachschöpfer und romantische Denker Jean Paul bewegt noch heute den Verstand und die Herzen.
Zugleich war Jean Paul ein Kenner und Freund der Menschen, wie es die liebevollen Schilderungen von Originalen und auch skurrilen Gestalten, etwa des berühmten Schulmeisterlein Wuz, bestätigen. Seine Skizzen der menschlichen Charakterbildung, der Harmonie, des Friedens und der Gerechtigkeit zeigen Jean Paul als Musterfall des humanen Deutschen.

Jean Paul und Bayreuth

Über Bayreuth schrieb er einmal die vielzitierte Huldigung: „Du liebes Bayreuth, auf einem so schön gearbeiteten, so grün angestrichenen Präsentierteller von Gegend einem dargeboten, man sollte sich einbohren in dich, um nimmer heraus zu können“. Oft siedelte Jean Paul die Handlungen seiner enzyklopädischen Romane in Bayreuth und seiner Umgebung an. Im Jahre 1902 schrieb der Kritiker Alfred Kerr ins Gästebuch des Jean-Paul-Dichterstübchens in der Rollwenzelei: „Vergessen dich die Deutschen heut? Du bist der Meister von Bayreuth!“ Eine hochkarätige Huldigung für Jean Paul, aber zugleich ein Seitenhieb gegen Richard Wagner.

Sieben Mal hatte Jean Paul seit 1804 in Bayreuth die Wohnung gewechselt, bevor er sich 1813 für den Rest seines Lebens und die größere Hälfte seiner Bayreuther Zeit im Haus Friedrichstraße 384 (heute Nr. 5) im 2. Stock einrichtete. Hauswirt war seit 1817 der aus Ansbach zugezogene jüdische Bankier I.J. Schwabacher, der das 1. Stockwerk bewohnte.

Leben und Sterben

Auf sein Äußeres gab Jean Paul wenig. Frau Caroline beklagte sich bitter, dass ihr Mann einen prächtigen neuen Schlafrock besitze, aber immer den alten, schäbigen benütze. Bier und Wein sind Jean Paul unerlässliche Elixiere schon seit der Jahrhundertwende. Das Bayreuther Bier stand nicht am Ende der Argumente, die für Bayreuth als endgültigen Wohnsitz gesprochen hatten. Der Dichter aber war kein Trinker, wie so gern pauschaliert wird. Er hat seine alkoholischen Mixturen nach Plan für den Arbeitsantrieb mit schöner Regelmäßigkeit über den Tag verteilt; der Leberzirrhose konnte er jedoch nicht entkommen. Dabei hatte er im Essen geradezu die Kargheit der Jugend beibehalten, und seine Bitten um Kartoffeln, „etwas Suppe und Salat“ rühren noch heute. Fast erblindet und von der Bauchwassersucht geplagt, befasst sich Jean Paul noch bis zu seinem Sterbetag mit der geplanten Gesamtausgabe seiner Werke. Nur am letzten Tag findet ihn der zu Hilfe geholte Neffe Richard Otto Spazier (1803-1854) auf dem Sofa liegend vor; die Unterhaltung wird fortgesetzt bis zu den gemurmelten Worten Jean Pauls „Wir wollen’s gehen lassen.“ Gegen 8 Uhr abends trat der Tod ein.

Ludwig Börne sagte in seiner Denkrede auf Jean Paul unter anderem: „Ein Stern ist untergegangen, und das Auge des Jahrhunderts wird sich schließen, bevor er wieder erscheint; denn in weiten Bahnen zieht der leuchtende Genius, und erst späte Enkel heißen freudig willkommen, von dem trauernde Väter einst weinend geschieden…Nicht allen hat er gelebt! Aber eine Zeit wird kommen, da wird er allen geboren und alle werden ihn beweinen. Er aber steht geduldig an der Pforte des zwanzigsten Jahrhunderts und wartet lächelnd, bis sein schleichend Volk ihm nachkomme.“

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